4/23/2011

Fohr Keramik, Wilhelm Fohr GmbH

Die nachmalige Wilhelm Fohr GmbH wurde 1859 durch Peter Fohr in Ransbach-Baumbach gegründet. Das Herstellungsprogramm umfaßte Tonkrüge, Verdunster und Blumentöpfe. 1934 wurde das Angebot um Zierkeramik erweitert. 
1945 wurden die Produktionssparten zwischen den Brüdern Alfred und Wilhelm Fohr aufgeteilt. Das anfangs überschaubare Sortiment an Zierkeramik wurde unter Wilhelm ab den 1950er Jahren kontinuierlich ausgebaut. 1953 kam es zur ersten Zusammenarbeit mit dem damals noch studierenden Heinz Siery, der nach seinem Abschluß 1954 neben seiner Entwurfstätigkeit auch Leiter der Gießerei wurde. Nach seinem Weggang 1955 zeichnete ab 1956 Walter Grau für die Form- und Dekorentwürfe verantwortlich.
Walter Grau kam aus der Porzellanindustrie. Er hatte eine Lehre als Modelleur bei der Blankenhainer Porzellanfabrik C. & E. Carstens absolviert und wechselte 1962 zur AB Rörstrands Porslinfabrik in Lidköping (Schweden).
Sein Nachfolger für 2 Jahre wurde Walter Weiland, der bereits 1960 einige Monate im Entwurf tätig war. Weiland war vordem für Ruscha, Keto-Keramik und Marei-Keramik, hier war er Leiter der kunstkeramischen Abteilung, tätig.
Ab Mitte der 1960er Jahre wurde der Anteil an Zierkeramik wieder zurückgefahren und das Unternehmen konzentrierte sich auf die Herstellung von Blumensteckschalen und Übertöpfen. Zusätzlich wurde der Exportanteil stark angehoben.
1979 kam es zur Errichtung eines neuen Werks und 1984 wurde das 125-jährige Firmenjubiläum mit einer Festschrift (Baaden, Franz: 125 Jahre Fohr-Keramik 1859-1984, Ransbach-Baumbach 1984) begangen.



Form 341-20


Form 362-20




Form 365-20


Form 432-30
Wegen der formalen Ähnlichkeit wird diese Vase öfters für einen Entwurf von Cari Zalloni für Steuler gehalten, dem ist aber nicht so.





Sofern jemand weitergehende Angaben machen kann (Dekornamen, Entwerfer, Produktionszeitraum ect.) bin ich für jede Mitteilung dankbar.

Keramische Werkstatt Margaretenhöhe

Die Manufaktur Margaretenhöhe (im Gegensatz zur Wohnsiedlung schreibt sich die Manufaktur ohne H in Margaretenhöhe) fällt insofern aus dem Rahmen der hier vorgestellten Firmen und Werkstätten, da sie für eine bestimmte Aufgabe gegründet wurde. Auf Anregung von Margarethe Krupp entstand ab 1924 die nach ihr benannte Wohnsiedlung Margarethenhöhe in Essen. Der betreuende künstlerische Berater Hermann Kätelhön (Maler, Grafiker und Keramiker) überzeugte Margarethe Krupp davon, eine Keramikmanufaktur zu gründen, die die keramische Ausstattung der Häuser fertigt. Die Manufaktur entstand noch 1924 direkt auf dem Baugelände. 
Zum ersten Leiter wurde der Bildhauer Will Lammert berufen, der die Leitung 1927 an den Otto Lindig Schüler Johannes Leßmann übergab. Leßmann war durch seinen Lehrer vom Gedankengut des Bauhauses geprägt und übernahm dessen Gestaltungsprinzipien für die Produktion. Der Schwerpunkt der Produktion verlagerte sich auf seriell herstellbare Keramiken und Gebrauchsgeschirre. 
Da die ursprüngliche Aufgabe erledigt war, schied Margarethe Krupp, bisherige Gesellschafterin 1933 aus dem Unternehmen aus und die Manufaktur zog auf das Gelände der Zeche Zollverein um, wo sie bis heute ihren Sitz hat. 
Leßmann fällt 1944 im WWII und Walburga Külz, ebenfalls Lindig Schülerin, übernimmt die Leitung. 1953 wird der Töpfermeister Helmut Gniesmer ihr Nachfolger. Gniesmer legt den Schwerpunkt wieder auf die Baukeramik. 
1968 geht die Manufaktur in den Besitz der Ruhrkohle AG über.
Einen künstlerischen Auftrieb erfährt die Manufaktur erst wieder 1986, als die Koreanerin Young-Jae Lee und Hildegard Eggemann die Leitung übernehmen. 
Lee (*1951) absolvierte von 1973 bis 1978 ein Studium an der Fachhochschule Wiesbaden: Keramik bei Margot Münster und Formgestaltung bei Erwin Schutzbach. Zusätzlich machte sie Praktika bei Christine Tappermann und Ralf Busz.
Eggemann (*1949) besuchte von 1979 bis 1985 die Keramikklasse von Ralf Busz an der Gesamthochschule Kassel. 1993 zog sich Eggemann wieder aus der Leitung zurück, arbeitet aber weiterhin als Keramikerin in der Manufaktur.
Lee und Eggemann führen die Manufaktur sozusagen wieder zu ihren Anfängen zurück, indem sie wieder serielle Keramiken und Gebrauchsgeschirre auf der Grundlage der Gestaltungsprinzipien des Bauhauses produzieren. Allerdings lassen sich ostasiatische Elemente in den Formen und Dekoren nicht verleugnen. 
Insbesondere diese ostasiatischen Elemente lassen sich zur zeitlichen Einordnung der Keramiken heranziehen, da die 1930 eingeführte Preßmarke bis heute fast unverändert benutzt wird.
2006 geht die Manufaktur in den Besitz von Young-Jae Lee über.


Vase mit dem Wappen von Duisburg



Vase mit dem Wappen von Essen
Vasen mit dem Essener Stadtwappen gibt es in mehreren Ausführungen.


Vase mit dem Wappen von Herne



Preßmarke


Wie immer bin ich für jeden weiterführenden Hinweis dankbar.

4/21/2011

Studiokeramik mit unbekannten Signaturen

Und hier wieder ein Beitrag aus der beliebten Serie: Wer hat's gemacht? Sollte also einem meiner geschätzten Leser eine Signatur oder Marke bekannt sein, bin ich wie immer für jeden Hinweis (mail an fl.wulf (at). gmx.de) dankbar.

ohne Kennzeichnungen



ohne Kennzeichnungen



ohne Kennzeichnungen



ohne Kennzeichnungen
Aufgrund des Motivs kommt hier auch ein Studio in Spanien oder Italien in Frage.





ohne Kennzeichnungen



Die Vase, auf die sich die Kommentare beziehen, wurde entfernt und wird an anderer Stelle wieder präsentiert.

Unbekannte Firmensignaturen

Die abgebildeten Firmenmarken konnten von mir bisher nicht aufgelöst werden, vielleicht sind sie ja einem meiner geschätzten Leser bekannt. Hinweise können auch an fl.wulf(at)gmx.de gesandt werden.

Aufkleber L.u.M. Handarbeit
Form 5300-14
Das Signum L.u.M. konnte noch nicht aufgelöst werden, als Hersteller wurde aber die Firma Knödgen identifiziert.





Preßmarke MW in einem Krug



Ritzmarke NE Handarbeit
Vermutlich aus dem Westerwald




Form 73-10
Hier haben sich jetzt Hinweise verdichtet, daß es sich um ein Erzeugnis von Ü-Keramik handelt.




Form 1078-15
Hier hatte ich als Hersteller Ü-Keramik vermutet. Das Stück kann aber auch aus Italien stammen.





Marzi & Remy

Anton Marzi und Simon Peter Remy legten 1879 den Grundstein für eine Steinzeugmanufaktur. Hergestellt wurden dekorative Bierkrüge mit der typischen Westerwälder Salzglasur. Von Anfang an dabei war auch Gustav Thinwiebel als Modelleur. Er entwarf sehr viele Bierkrüge im sogenannten "altdeutschen" Stil (gemeint sind damit Dekore, die sich an Vorbildern aus der Renaissance orientieren und zwischen 1871 und ca. 1900 besonders beliebt waren). Seine Entwürfe lassen sich leicht daran erkennen, daß sie an einer Stelle im Dekor mit GT signiert sind.
Da es damals üblich war, Bierkrüge mit einem Zinndeckel auszustatten, wurde 1881 eine Zinngießerei eingerichtet.
Ein weiterer Unternehmenserfolg erfolgte 1883, als es erstmalig gelang einen cremefarbenen Scherben herzustellen, daß Elfenbeinsteinzeug. Nun kamen auch weitere Produkte wie Bowlensets und Geschenkartikel hinzu.
Um 1900 gehörte Marzi & Remy zu den führenden Herstellern und konnte bedeutende Designer wie Henry van de Velde, Albin Müller und Peter Behrens für Entwurfstätigkeiten gewinnen.
Zwischen den Kriegen verlief die Unternehmensentwicklung eher wechselhaft, besonders die Rezession zu Beginn der 1930er Jahre hinterließ ihre Spuren. Schließlich wurde kriegsbedingt die Produktion auf einfache Geschirrteile umgestellt.
Nach dem Kriege wurden zwar die Baulichkeiten und damit auch die technischen Einrichtungen modernisiert, aber es blieb vorerst bei den traditionellen Produkten. Erst als 1953 Otto Georg Bühler, der Enkel von Simon Peter Remy die Geschäftsleitung übernahm wurde auch die Produktpalette dem Zeitgeschmack angepaßt.
Bühler trat 1949 nach seinem Abschluß zum Keram-Ingenieur als Assistent des Betriebsleiters in das Unternehmen ein, wechselte 1951 aber zur Porzellanfabrik Christian Seltmann in Weiden, wo er umfassende Erfahrungen mit Massen und Glasuren sammelte.
1953 wurde er an die Unternehmensspitze zurückberufen und ehelichte eine junge Entwerferin namens Erika. Nebenbei arbeitete er auch noch als Keramiker und Entwerfer für Glasuren und Dekore. Nach eigener Aussage hat er ca. 5000 Dekore entworfen.
Erika Bühler legte ebenfalls 1953 eine Kollektion mit asymetrischen Formen vor, wie sie bis dahin nur aus Porzellan bekannt waren.

Anfang der 1980er Jahre geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage; es folgten Konkursverfahren. 1990 kam es zu einer kurzzeitigen Übernahme durch die Steingutfabrik Staffel. Schließlich versuchte der letzte Betriebsleiter Rainer Faber das Unternehmen zu retten. Als "m+r Keramikfabrik GmbH" führte er das Unternehmen noch bis 1996, konnte aber die endgültige Schließung nicht mehr verhindern.


Form 1003-10


Form 1010-17
Dekor Graz, 1964



Form 2025-16
Dekor Bozen, 1965




Firmenmarke, eine Töpferscheibe darstellend.
Diese Marke war in verschiedenen Abwandlungen zwischen 1879 und 1964 in Gebrauch


Firmenmarke ab 1964


Daneben kamen aber auch Aufkleber zum Einsatz




Wie immer bin ich für jeden weiterführenden Hinweis dankbar. 

Kunsttöpferei Marschner

Über Marschner ist bisher wenig bekannt. Gegründet wurde die Manufaktur 1948 durch Richard Marschner in Altenwalde bei Cuxhaven. Hergestellt wurden Zierkeramiken, hauptsächlich Vasen und Wandteller. Mitte der 1960er Jahre wurde das Unternehmen von Dirk Wessels, dem Schwiegersohn von Richard Marschner übernommen.
Wie alle deutschen Keramikunternehmen hat auch Marschner in den 1950er und 1960er Jahren stark für den Export gearbeitet.
Das Unternehmen scheint bis in die letzten Jahre bestanden zu haben, da es noch in verschiedenen Branchenverzeichnissen zu finden ist, allerdings lassen sich die dortigen Angaben nicht verifizieren.

Form 315





Form 809


Marke



Sofern jemand weitergehende Angaben machen kann (Dekornamen, Entwerfer, Produktionszeitraum ect.) bin ich für jede Mitteilung dankbar.