10/14/2009

Das Kannenbäckerland

Das Kannenbäckerland ist Teil des Westerwaldes. es erstreckt sich mit seinen Hauptorten Höhr-Grenzhausen, Ransbach-Baumbach, Siershahn und Ebernhahn nordöstlich von Koblenz. Seinen Namen verdankt es dem dortigen Sprachgebrauch, da der Brennvorgang als Backen bezeichnet wurde, ebenso, wie der Töpfer ortsüblich Äuler hieß.
Durch seinen Ton- und Waldreichtum und der Nähe zum Rhein (als wichtigster Transport- und Handelsweg) begünstigt wurden hier schon in römischer Zeit Keramiken produziert. Seit dem 17. Jahrhundert gehört das Kannenbäckerland zu den Zentren der Keramikproduktion.
Sein typisches Erzeugnis ist das salzglasierte blaugraue Steinzeug, das wohl noch jeder aus dem Haushalt seiner Eltern oder Großeltern kennt. Es wurden und werden Haushalts- als auch Gebrauchsgeschirre wie Kannen, Krüge, Töpfe und Fässer hergestellt. Diese werden traditionell mit floralen oder ornamentalen Motiven verziert, es finden sich aber auch Tierdarstellungen. Einfach Produkte wurden nur bemalt, aufwändigere Waren wurden zusätzlich in Reeds-(Einritzen) und Kniebis(Eindrücken)-Technik dekoriert.
Mit Beginn der Industrialisierung und der damit verbundenen aufkommenden Massenproduktion war man sich auch im Kannenbäckerland bewußt, daß man geschulte und qualifizierte (Mit-)Arbeiter benötigt. So entschloß man sich 1879 zur Gründung einer Fachschule für Keramik, welche heute noch als Fachschulen für Keramikgestaltung und Keramiktechnik besteht. Das ein entsprechender Bedarf bestand kann man auch daran erkennen, daß es noch in den 1930er Jahren ca. 150 Betriebe gab, davon entfielen auf Höhr-Grenzhausen 60, Baumbach 36 und Ransbach 24 Werke, der Rest verteilte sich auf die kleineren Orte.
Auf der anderen Seite setzte durch das Aufkommen neuer Werkstoffe ein Verdrängungsprozess ein. Typische Produkte wie Einmachtöpfe, Bierkrüge und Mineralwasserflaschen wurden durch Weckgläser und Konservendosen, Biergläser und Glasflaschen ersetzt.

In Höhr-Grenzhausen saßen u.a. die Fabrik von Dümler & Breiden sowie die Manufakturen von Elfriede Balzar-Kopp, Kunow-Drossé und Wim Mühlendyck. Eduard Bay (Bay-Keramik), Wilhelm August Fohr, Jakob Vetter und Johann Übelacker (Ü-Keramik) hatten ihren Sitz in Ransbach, Jakob Schwaderlapp (Jasba) und Johann Peter Korzilius (Jopeko) hatten ihre Werke in Baumbach.

Kommentare:

  1. Vielleicht interessiert es die Leser, dass kuerzlich eine neue Chronik der Familie Remy erschienen ist. Ich stamme von allen drei Kindern unseres Hugenotten-Urvaters, Jacques Remy ab, Toepfer, der sich 1586 in Grenzhausen niederliess. Ich hab auch ein bisschen an der Chronik mitgeholfen.
    Die Familie Remy -
    Kannenbaecker und Unternehmer
    Eine genealogische Bestandsaufnahme
    hg.Prof. I. Mueller - Prof. Schweizer - P. Werth
    bei Amazon erhaeltlich,auch ueber den Buchhandel
    Erika Remy, seit Jahren wohnhaft in den USA, aber auch haeufig in der Heimat

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    1. Anonym4/08/2012

      Bitte nehmen Sie möglichst rasch Kontakt mit uns auf, da wir Ihnen hierzu einige wichtige Fragen stellen möchten.

      Vielen Dank.

      MIt freundlichen Grüßen
      BIBLIOTHEK FÜR HUGENOTTENGESCHICHTE (www.bfhg.de)
      Zur Kontaktaufnahme: info@bfhg.de
      Ihr Ansprechpartner: Hr. Daniel Röthlisberger

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  2. Hallo,
    vielen Dank für diese Information. Frage ist nur, ob sich das Buch auf Montanus & Remy oder Marzy & Remy bezieht oder kommen beide Firmen darin vor?

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  3. Lese den Kommentar auf meinen Eintrag erst jetzt. Meine Exemplare liegen in meinem Elternhaus in der Heimat, ich kann es also nicht nachsehen. Ich bin aber ueberzeugt, dass die Namenstraeger Remy in diesen Firmen zu unsrer alten Toepferfamilie gehoert haben oder noch gehoeren.
    Im Moment weiss ich nicht, wo diese beiden Firmen ihren Ursprung hatten - muss nochmal nachlesen, ob das bei Ihnen erwaehnt ist.
    Falls sie irgendeine Beziehung zum Kannenbaeckerland haben, sind diese Firmengruender m. Namen Remy Nachkommen vom Urvater Jacques Jakob Remy. Ich werde in meinem naechsten Luftpostbrief an einen der Herausgeber mal fragen.
    Welche Vornamen hatten diese Toepfer mit Namen Remy? Im Internet in der Vorausschau kann man das Namensregister nachsehen. Aber viele von unserer riesigen Familie sind noch nicht an unsren Urvater angebunden; viel Familienforschungsarbeit ist noch zu tun.
    Ein gutes Neues Jahr!
    Erika Remy - hier ist's noch 2009!

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  4. Guten Tag Frau Remy,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Ihnen auch ein frohes Neues Jahr 2010.
    Der Mitgründer von Montanus & Remy heißt Günter mit Vornamen. Sitz des Unternehmens ist Höhr-Grenzhausen. Siehe auch den kleinen Artikel hier im Blog: http://lavaguys-ceramic.blogspot.com/search/label/Montanus%20und%20Remy

    Herzlichst

    Fritz Lothar Wulf

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  5. Hallo, Herr Wulf,
    vielen Dank. Sehe gerade erst Ihre Antwort. Auf jeden Fall gehoert
    Gunter Remy zu unsrer Familie, da unser Urvater sich 1586 in Grenzhausen niederliess, die Witwe seines Toepfermeisters, Catharina verw. Wingender (auch gen. Heimeskathrin), heiratete, um in die Gilde zu kommen. Haben Sie die neue Chronik mal gegoogelt? Da Gunter Remy unsren Nachnamen hat, er immer noch Bestandteil meines Namens ist, muesste er in der Familiengeschichte sein, falls er "angebunden" werden konnte.
    Alle drei Kinder von Jacques Jakob sind meine Voreltern. Der "Schuetzenhof" in H-Grenzhausen ist 1659 von meinem Vorvater Peter Remi (Namen im Holzbalken der Tuer noch zu lesen) erbaut worden. Ich hab 2008 zum ersten Mal dort gegessen. Das Anwesen scheint nicht mehr im Besitz der Familie zu sein.
    Ich werde den kleinen Artikel spaeter lesen.
    Viele Gruesse
    Erika Remy

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