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12/06/2009

Carstens Tönnieshof

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen Entwicklungen entschloß sich der Inhaber des Werkes in Rheinsberg Ernst Carstens zusammen mit seinem Sohn Christian die Produktion in eine der Westzonen zu verlegen. In Fredelsloh bei Moringen fand er auf einer ehemaligen Hofstelle (daher Carstens Tönnieshof) einen geeigneten Standort. Ab 1946 wurde dieser Standort sukzessiv ausgebaut, hierfür wurden sogar Mutterformen aus den Werken in Rheinsberg und Gräfenroda über die damals noch grüne Grenze geschmuggelt. Begonnen wurde mit der Produktion von Gebrauchsgeschirr und einhergehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik immer qualitätvollere und künstlerisch ansprechendere Zierkeramik. So wurden eine Carstens Luxus Serie und eine Carstens Atelier Serie aufgelegt. Als Entwerfer werden in diesem Zusammenhang Gerda Heuckeroth und Heinz Siery (1959-1967) genannt. In den 1950er Jahre wurden zusätzlich Produkte für die Wiener Firma Friedrich Goldscheider hergestellt. In seinen besten Zeiten hatte das Unternehmen ca. 500 Mitarbeiter. Ab den 1960er Jahren führten zuerst äußere Faktoren (Verdrängung der Feinsteinzeugprodukte durch Porzellan) und spätestens ab 1970 Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen der Geschäftsführung zum Niedergang des Unternehmens. Verschiedene Rettungsversuche scheiterten und so mußte am 28.04.1977 Konkurs angemeldet werden.

Allerdings hatte 1973 der Sohn von Christian, Christian Carstens jun. einen eigenen Betrieb in Fredelsloh eröffnet. Er beschäftigte überwiegend Mitarbeiter, die aus dem schlesischen Bunzlau nach Fredelsloh geflohen waren. Seine Produkte sind daher sehr durch die Bunzlauer Tradition (Engobemalerei auf blauem Grund) geprägt.


Form 58



Form 435-13
Dekor Brabant, 1957



Form 478-17


Form 482-13
Dekor Arkona



Form 484
Dekor Arkona



Formnummer unbekannt



Preßmarke mit dem Doppelhaus
Diese Marke wurde während der gesamten Produktionsdauer in verschiedenen Abwandelungen immer wieder benutzt


Marke ca. 1950er Jahre


Marke ca. 1950er Jahre



Sofern jemand weitergehende Angaben machen kann (Dekornamen, Entwerfer, Produktionzeitraum ect.) bin ich für jede Mitteilung dankbar.

6/10/2009

Carstens Konzern

Am 30.04.1878 erwarb Christian Hinrich Carstens die Großhandlung Carstens & Stahl in Elmshorn und legte damit den Grundstein für einen der größten deutschen Keramikkonzerne. 1892 oder 1901* übernahmen seine Söhne Christian I (+ 1929) und Ernst (+ 1925) (daher C&E Carstens) einen abgewirtschafteten Keramikbetrieb in Rheinsberg. Hier bauten sie zusätzlich eine eigene Werkssiedlung.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges umfaßte der Konzern neben den Werken in Elmshorn und Rheinsberg Werke in Haldensleben, Rathenow, Velten (nicht zu verwechseln mit Velten-Vordamm), Gräfenroda, Georgenthal, Creussen, Wallhausen, Sorau, Blankenhain, Lübeck, Reichenbach, Zeven und Hirschau. In den Hochzeiten wurden bis zu 6000 Mitarbeiter beschäftigt.
Nach Ende des Krieges und der Aufteilung Deutschlands unter den Siegermächten lagen die meisten Werken in der SBZ (sowjetisch besetzte Zone). Aufgrund der sich dort abzeichnenden Entwicklung orientierten sich Ernst (Sohn von Christian) Carstens und dessen Sohn Christian II nach Westen und fanden 1946 in Fredelsloh bei Moringen einen neuen Standort (Carstens Tönnieshof). 1948 wurden alle ostdeutschen Werke enteignet und in volkseigene Betriebe überführt. 1977 mußte das Werk in Fredelsloh Konkurs anmelden. Allerdings hatte der Sohn von Christian II Christian Carstens jun. bereits 1973 ein weiteres Werk in Fredelsloh gegründet.
1990 wurde das Werk in Rheinsberg zurück erworben. Von Rheinsberg aus wurde 2005 auch die Marke Silberdistel übernommen.

*1892 Angabe auf der Homepage von Carstens Rheinsberg; 1901 Angabe auf der Homepage von Carstens Fredelsloh